VDP-Tour Große Gewächse Teil 2: Pfalz – Rheinhessen – Nahe – Mosel

Der zweite Teil der VDP-Tour Große Gewächse war nochmal eine Nummer anstrengender, da die Gebiete Nahe-Mosel-Pfalz und Rheinhessen in vier Stunden erledigt sein wollten (insgesamt 82 Weine verkostet – natürlich wie bereits letzte Woche (fast) keinen tatsächlich getrunken). Dabei gab es Überraschungen im Positiven wie im Negativen, auch wenn das Niveau insgesamt recht hoch und homogen war. Insgesamt war bei den 2011ern wenig Süße dabei, Trockenheit und Säure standen im Vordergrund. Nur wenige Weingüter hatten ältere Weine mitgebracht, so dass die Entwicklungsfähigkeit oft nur schwer einzuschätzen war. Positiv hier Mosbacher, von dem alle Weine überzeugten und selbst der 2003er wirkte, als ob er sich erst in ein paar Jahren voll entwickeln würde.

Angesichts des Hypes um die Mosel fand ich die Weine dem wahrlich nicht angemessen – vielleicht können sie süße Weine einfach besser als große Gewächse (Dr. Loosen ein Reinfall, sehr interessant hingegen von Othegraven und S.A. Prüm). Etwas Abwechslung zum Riesling dürfte auch gerne sein. Der Sieg für das „spannenste Weingebiet 2011“ geht an die Pfalz (gefolgt von dem letztwöchig getesteten abwechslungsreichen Franken): Neben Mosbacher konnten insbes. von Winning, Ökonomierat Rebholz, von Buhl, Friedrich Becker (letzterer mit Rotwein) überzeugen, das Angebot war auf sehr hohem Niveau und die Weine dennoch recht unterschiedlich. In Rheinhessen konnte vor allem Wittmann, aber auch Wagner-Stempel überzeugen, in der Nahe Schäfer Fröhlich.

Im Einzelnen (Die Gegenden in wertender Reihenfolge; die Weingüter in alphabetischer Reihenfolge; die Weine in der Reihenfolge des Ausschanks) meine ganz persönlichen Eindrücke:

Pfalz:

Dr. Bassermann-Jordan, Riesling

  • 2011 Ölberg: Vom etwas „medizinischen“ Duft schmeckt man nicht, hingegen angenehme Süße, die mit Bitterkeit/Mineralik wechselt.
  • 2011 Pechstein: Mehr Körper und eine besser Einbindung der Süße.
  • 2011 Jesuitengarten: Deutlich mehr Säure, m.E. langweilig.

Friedrich Becker, Spätburgunder:

  • 2010 Kammerberg: Großartig! Kräftig und schwer, dennoch eine sehr harmonische Säure.
  • 2010 St. Paul: Leichter als der Kammerberg, dafür fruchtiger. Ebenfalls sehr gut.

Reichsrat von Buhl, Riesling

  • 2011 Reiterpfad: Ein netter Trinkwein, „medizinisch“ duftend, recht ausgeprägte Gin-Note. M.E. bekommt man bei den Basisweinen ähnlich gutes für weniger Geld.
  • 2011 Ungeheuer: Schon besser, aber recht ähnlich dem „Reiterpfad“.
  • 2011 Jesuitengarten: Jetzt wird es spannend! Noch merklich verschlossen, aber deutlich mehr Körper und Größe und sehr harmonisch. In ein paar Jahren sicherlich hervorragend.
  • 2011 Pechstein: Ein harmonischer, schöner Riesling mit klarer Mineralik.
  • 2010 Pechstein: Wow! Kräftig-goldene Farbe, im Duft den Eindruck einer Auslese vermittelnd, ein tolles Süße-Säure-Spiel. Wie ein Riesling eben sein soll.
  • 2010 Ungeheuer: Im Geruch noch besser, im Geschmack hingegen deutlich mehr Mineralik/Säure. Braucht noch mehr Zeit.

Dr. Bürklin-Wolf, Riesling

  • 2011 Gaisböhl: Noch verschlossen, aber sehr vielversprechend! Zu Beginn sehr mineralisch, im Abgang sehr schöne Nuss-noten.
  • 2008 Gaisböhl: Ähnlich wie der 11er, bereits viel ausgeprägter.
  • 2009 Hohenmorgen: harmonisch und fruchtig.
  • 2007 Hohenmorgen: Bereits im Duft eine sehr harmonische Süße, die sich bestätigt, wobei sich eines schönes Spiel mit der Säure ergibt. Deutliche Nussaromen.
  • 2002 Reiterpfad: Ein großartiger Wein, wenn man ihn jetzt trinkt! Das Alter merkt man ihm an, bereits deutliche Holz-/Altersnoten, die m.E. bald zu ausgeprägt werden. Derzeit noch kräftige Süße und Nussaromen. Die Meinungen gingen aber auseinander, mehrere Testende empfanden ihn bereits jetzt als „tot“.

Knipser-Johannishof: Alles  gute Weine, aber dem großen Namen vielleicht nicht so ganz gerecht werdend.

  • 2011 Steinbuckel, Riesling: Netter Wein.
  • 2011 Mandelpfad, Riesling: Sehr lecker!
  • 2011 Kirschgarten, Weißburgunder: Großes Bukett, sehr fruchtig und blumig. Fand ich sehr lecker, von dritter Seite war jedoch nichts Positives zu vernehmen. Insofern meine Wertung mit Vorsicht genießen.
  • 2009 Burgweg, Spätburgunder: Ein leichter, aber harmonischer und schöner Wein. Großes Holz und viel Karamell.
  • 2009 Kirschgarten, Spätburger: Leichter als der Burgweg, mir zu leicht.
  • 2009 Mandelpfad, Spätburgunder: Ein netter deutscher Rotwein.

Mosbacher, Riesling: M.E. eins der besten und vielversprechensten Weingüter für den 2011er-Jahrgang

  • 2011 Pechstein: Noch merklich verschlossen, aber viel Potential. Ausgeprägte Zitrusnoten und eine runde, nicht aufdringliche Säure.
  • 2011 Ungeheuer: Top! Bislang keinerlei Süße, stattdessen stark ausgeprägte Zitronennote. Entwickelt sich sicherlich noch deutlich.
  • 2008 Ungeheuer: Top! Duftet groß und süß, schmeckt jedoch noch sehr trocken. Benötigt noch einige Jahre.
  • 2003 Ungeheuer: Kaum zu glauben, aber auch dieser ist noch merklich zu jung und sollte noch einige Zeit liegen. Die positiven Noten der jüngeren Jahrgänge noch ausgeprägter, viel Körper und schöne Restsüße.

Ökonomierat Rebholz, Riesling: Grandiose Weine! Bekommt den Preis für das beste GG-Weingut 2011 auf Grundlage der beiden Verkostungen. Eine beeindruckende Perfektion und Reinheit, bereits jetzt gut trinkbar, auch wenn sicherlich sich noch einiges entwickelt.

  • 2011 „Ganz Horn“ im Sonnenschein: Sensationeller Wein! Kernig, süß und trocken, ein wunderbares Spiel und dabei sehr sanft. Großes Kino, steigert sich sicherlich noch über die Jahre.
  • 2011 Im Sonnenschein: Ebenfalls sehr sanft, aber kann mit dem „ganz Horn“ nicht mithalten.
  • 2011 Kastanienbusch: Ausgezeichnet! Süßer und kräftiger als die vorherigen.

Siegrist, Riesling:

  • 2011 Sonnenberg: Riecht noch sehr wild, Frische und Trockenheit wechseln durcheinander. Spannend, wie er sich entwickeln wird.
  • 2010 Sonnenberg: Hoffentlich entwickelt sich auch der 11er so. Viel reifer und harmonischer, fühlt sich eher nach einer Auslese an.

Von Winning, Riesling: Muss man probiert haben! Wird nicht jedem gefallen, weil die Weine teils völlig einzigartig sind.

  • 2011 Langenmorgen: Üppiger Gras-Duft (hat nichts Cannabis zu tun), dazu eine starke Jod-Note. Wird dann eher salzig.
  • 2011 Kalkofen: Ganz großes Kino! Im Duft noch viel ausgeprägter, deutlich harmonischer, zitruslastiger und mehr Körper. Ein sensationeller Wein.
  • 2011 Pechstein: Nicht mehr so charakteristisch, noch merklich verschlossen, sehr schöne Zitrusnoten.
  • 2011 Kirchenstück: Ähnlich wie der Pechstein.

Nahe:

Diel, Riesling:

  • 2011 Schlossberg: Ein schön runder, trockener Wein.
  • 2011 Pittermännchen: Ebenfalls ein schöner Trinkwein.
  • 2011 Goldloch: Spitze! Sehr harmonisches Changieren von Süße und Frische.
  • 2011 Burgberg: Noch merklich verschlossen, ebenfalls eine schöne Frische, jedoch stärkere Bitternote. Hat eine spannende Entwicklung vor sich.

Dönnhoff, Riesling:

  • 2011 Dellchen: Deutliche Bitternote, die sich rund und harmonisch einpflegt; noch verschlossen.
  • 2011 Hermannshöhle: Bereits offener und interessanter; die Bitternote ist nicht so ausgeprägt, stattdessen angenehm trocken.

Emrich-Schönleber, Riesling:

  • 2011 Frühlingsplätzchen: Sehr schöner Wein, süßlich, trocken, rund.
  • 2011 Halenberg: Merklich verschlossen, starke Bitternote, habe meine Zweifel, ob er noch interessant wird.

Schäfer-Fröhlich, Riesling: Eins der besten verkosteten Weingüter, erste Sahne!

  • 2011 Felsenberg: Honig. Eine harmonische, leichte Süße.
  • 2011 Felseneck: Großartig! Tolles Spiel, die Honig-Süße ist deutlich ausgeprägter.

Rheinhessen:

Battenfeld Spanier, Riesling: Ich fühle mich wie der Geisterfahrer auf der Autobahn… Für mich gehören die Weingüter weiterhin zum überbewertetsten und langeweiligsten, was Wein-Deutschland zu bieten hat. Auch die GGs konnten mich von nichts anderem überzeugen, im Gegenteil. Mir wurde schon mehrmals gesagt, es seien Kopf-weine für die ruhige Stunde, die man halt verstehen müsse. Vielleicht bin ich auch einfach zu dumm oder habe keine Ahnung von Wein, aber ich kann nichts finden, was ich verarbeiten könnte. Dennoch muss man sagen: Der anwesende Herr war ausgesprochen sympathisch und nett, man fühlt sich dort wirklich gut aufgehoben. Und immerhin einen großartigen Wein gab es.

  • 2011 Kirchenstück: Riecht süß und verschlossen, schmeckt, deutlich säurer und nicht anders als die Basis-weine.
  • 2011 Frauenberg: Schon besser, mit netter Salz-note.
  • 2011 Zellerweg am schwarzen Herrgott: merklich feiner als das Kirchstück und verschlossen, nichtssagend, kein Körper.

Kühling-Gillot, Riesling:

  • 2011 Ölberg: Offener mit harmonischem Duft, ein netter Wein.
  • 2011 Pettenthal: Hier gehe ich mit der „herrschenden Meinung“ überein: Ein erstklassiger Wein! Eine satte Farbe, schwerer-fester Duft, groß und mit Körper. Schon schön offen. Macht Spaß.

Weingut Gutzler: 2/3 waren bereits ausgetrunken.

  • 2009 Morstein, Spätburgunder: Ein solider deutscher Rotwein.

Keller:

  • 2011 Kirchspiel, Riesling: Harmonisches Spiel, ein netter Wein.
  • 2011 Hipping, Riesling: Schon interessanter, Zitruslastig, mit süßlichem Kern.
  • 2010 Bürgerl, Spätburgunder: Habe nur daran gerochen, das wirkte sehr positiv: recht süß, ausgeprägte Schokobanane und Dörraprikose – aber recht leicht riechend.

Wagner-Stempel, Riesling:

  • 2011 Höllberg: Genial!! Einer der besten der getesteten Weine, ein tolles Spiel aus Frische, Zitrus, Süße und Leichtigkeit. Sehr spannend!
  • 2011 Heerkretz: Bitterer und mehr Säure, nicht so harmonisch. Könnte ein ganz großer werden…oder auch nicht.

Wittmann, Riesling: Alle 3 Weine noch völlig verschlossen, viel Potential, aber benötigen noch einige Zeit.

  • 2011 Aulerde: Bitternote derzeit noch im Vordergrund, aber bereits harmonisch.
  • 2011 Kirchspiel: Derzeit deutlich spannender. Die Bitternote deutlich dezenter, dafür mehr citrus und ins süßliche gehend.
  • 2011 Morstein: Noch spannender! Bitter-, Zitrus- und Süßenoten schöner ausbalanciert und runder.

Mosel-Saar-Ruwer:

Fritz Haag, Riesling:

  • 2011 Brauneberg Juffer: Harmonischer Wein, dezente Noten von Bitter und Gras.
  • 2011 Brauneberg Juffer Sonnenuhr: Sehr schön harmonisch und zugänglich. Ein „Trinkwein“ im besten Sinne.

Reinhold Haart, Riesling:

  • 2011 Goldtröpfchen: Duftet sehr verheißungsvoll nach „Gummibärchen“, hält aber m.E. (noch) nicht, was der duft verspricht, eher bitter und dezent.
  • 2011 Ohligsberger: Schon besser, leicht und harmonisch-dezent.

Von Hövel, Riesling:

  • 2011 Kanzem Hörecker: Duftet groß, süß und vielschichtig, schmeckt derzeit noch dezent-bitter. Kann was draus werden.
  • 2011 Schwarzhofberg: Erste Sahne! Noch verschlossen, aber bereits jetzt groß, viel Körper, ein schönes Nuancenspiel mit merkliche Süße. Verspricht einiges.

Dr. Loosen, Riesling: Für mich absolut enttäuschend, nur ein Wein wirklich gut, der Rest total langweilig und nichtssagend. Ich hatte nicht der Eindruck, dass sie noch verschlossen wären, sondern dass sich da nichts mehr entwickeln wird.

  • 2011 Graacher Himmelreich: Völlig Nichtssagend.
  • 2011 Wehlener Sonnenuhr: Ich sage besser nichts dazu.
  • 2011 Erdener Treppchen: Ich fing an, irgendwas zu schmecken.
  • 2011 Ürziger Würzgarten: Immerhin etwas.
  • 2011 Erdener Prälat: Der einzige interessante, vielversprechende Wein. Eindeutig zu jung, aber bereits jetzt Größe und Körper. Immerhin aus dem könnte was werden.

Von Othegraven, Riesling: Sehr interessante Weine!

  • 2011 Bockstein: Harmonische Säure und Gin-artig, gut trinkbar.
  • 2011 Herrenberg: Ähnlich und derzeit besser, aber wohl nicht so viel Potential.
  • 2011 Altenberg: Spitze! Eindeutig der interessanteste und für die nächsten Jahre sehr vielversprechend. Bislang riecht man noch kaum etwas. Mit kräftigem Körper ausgestattet harmonieren Bitterkeit und Zitrus sehr angenehm.

S.A. Prüm, Riesling: Die Weine haben mir gut gefallen, ein näherer Blick auf das Weingut lohnt.

  • 2011 Lay „Grand Ley“: Satte Mandarine und Aprikose, ein schönes Spiel mit der Bitternote, filigran. Eindeutig noch nicht reif.
  • 2011 Domprobst „Prevot“: Satte goldene Farbe, ein schönes Spiel zwischen Bitterkeit und Süße.
  • 2011 Sonnenuhr „Devon“: Schöner gras-duft, im Geschmack jedoch langweilig.
  • 2010 Sonnenuhr „Devon“: Deutlich besser als der 11er, Mild im Duft, jedoch kräftig im Geschmack mit dezenter, holziger Süße.
  • 2011 Sonnenuhr „alte Reben“: Wow! Einer großer, harmonischer Wein mit schöner Süße. Die Reben seien bis zu 90 Jahre alt, daraus entwickelt sich eine beeindruckende Sänfte und Ruhe, zugleich eine intensive Süße. Sehr vielversprechend für die Zukunft!
  • 2010 Sonnenuhr „alte Reben“: Irre-gut! Bereits deutlich kräftiger als der 11er, dezent süß-süffig. Würde man bei einer Blindprobe einem deutlich älteren Jahrgang zuordnen.
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