Verkostungsnotizen der VDP-Tour Große Gewächse in München: Rheingau – Franken

Die folgenden Weine bei der VDP-Tour Große Gewächse in München verkostet. Gestern war Rheingau und Franken dran, Württemberg und Baden habe ich ausgelassen. 4 Stunden sind viel zu wenig Zeit, selbst für Franken war nicht mehr die Zeit, alles zu würdigen. Alle Bewertungen natürlich rein subjektiv. Insgesamt wirkten viele Weine relativ ähnlich/gleichförmig, gerade im Rheingau sehr typische Weine. Fast alle Weine waren noch merklich verschlossen, da wurden einige Kindsmorde begangen.

Franken

Weingut Bickel-Stumpf: Sehr sympathisches Weingut, leider waren bereits fast alle Weine ausgetrunken, als wir kamen.

  • 2009 Kapellenberg Mönchshof Silvaner: Ein vielseitiger Wein mit tollem Spiel zwischen Bitterkeit und Süße;

Weingut Horst Sauer

  • 2011 Lump Escherndorf Silvaner und
  • 2011 Lump Escherndorf Riesling: Beide super, recht salzig.

Weingut Schmitt’s Kinder

  • 2011 Pfülben Randersacker Silvaner: Harmonisch, aber etwas langweilig;
  • 2011 Pfülben Randersacker Riesling: deutlich spannender und harmonisch;
  • 2009 Pfülben Randersacker Riesling: Ein toller Wein, beginnende Reife, braucht noch seine Zeit und verspricht viel.

Weingut Hans Wirsching, Iphofen: Alle Weine großartig. Bestätigt erneut, einer meiner deutschen Lieblingswinzer zu sein.

  • 2011 Kronsberg Silvaner: Ein wunderbarer, „typischer“ Silvaner, trocken, aber vielschichtig;
  • 2011 Julius-Echter-Berg Silvaner: ebenfalls hervorragend;
  • 2011 Kronsberg Riesling: Ausgezeichnet;
  • 2011 Julius-Echter-Berg Riesling: Bereits jetzt großartig, verspricht über die Jahre noch deutlich mehr.

Rheingau

Wein- und Sektgut Barth: Die beiden Weine der Hassel fand ich bemerkenswert, insbesondere den tollen Sekt.

  • 2011 Wisselbrunnen Hattenheim Riesling: Riecht reifer als er ist, typisch Rheingauer Süße;
  • 2011 Hassel Hattenheim Riesling: Merkliche Kräuternote und Mineralik; verspricht, ein großer Wein zu werden, aber derzeit viel zu jung;
  • 2011 Schönhell Hallgarten Riesling: Fand ich (derzeit) recht langweilig, aber merklich zu jung;
  • 2009 Hassel Hattenheim Riesling Sekt: Großartiger Sekt! Schöner Spiel von Frische, Bitternote und Trockenheit.

Weingut Friedrich Fendel

  • 2011 Klosterlay Rüdesheim Riesling: Ein schöner Rheingauer Riesling;
  • 2010 Berg Roseneck Rüdesheim Riesling: Bereits jetzt sehr schön trinkbar, angenehmes Spiel zwischen Mineralik, Süße und Bitternoten.

Weingut Georg Müller Stiftung

  • 2009 Hassel Hattenheim Riesling: Top! Vielschichtige Süße.
  • 2011 Schützenhaus Hattenheim Riesling und
  • 2011 Hassel Hattenheim Riesling: Beide typische Rheingauer Weine, im besten Sinne, schöne Trinkweine.

Hessische Staatsweingüter Kloster Eberbach

  • 2011 Berg Schlossberg Rüdesheim Riesling: Schöne ausgewogene Frische;
  • 2011 Marcobrunnen Erbach Riesling: Ein netter Trinkwein, mehr nicht.

Weingut Johannishof

  • 2011 Berg Rottland Rüdesheim Riesling: relativ trockener, angenehmer Wein;
  • 2011 Hölle Johannisberg Riesling: ausgewogenes Süße-Trockenheit Spiel;
  • 2010 Berg Rottland Rüdesheim Riesling: nichts außergewöhnliches.

Weingut Künstler: Hat mich nichts umgehauen, die Weine waren jedoch auch noch merklich zu jung

  • 2011 Kirchenstück Hochheim Riesling: Deutliche Süße ohne große Abwechslung;
  • 2011 Hölle Hochheim: Schon besser, angenehme Mineralik;
  • 2011 Berg Rottland Rüdesheim Riesling: Fand ich am besten, mit Kraft und Frische;

Weingut Prinz: Empfand ich beide als schöne Trinkweine, aber für ein erstes Gewächs vielleicht etwas wenig. Aber sie mögen noch zu jung sein – andere äußerten sich deutlich positiver.

  • 2011 Jungfer Hallgarten Riesling: Ein süßer, angenehmer Trinkwein, Mineralik im Abgang;
  • 2009 Jungfer Hallgarten Riesling: Schon merklich reifer, die Mineralik tritt deutlicher hervor.

Weingut Balthasar Ress

  • 2011 Nussbrunnen Hattenheim Riesling: Großes Potential! Für mich noch völlig verschlossen, ich habe kaum was geschmeckt. In 10 Jahren teste ich ihn gerne nochmal.#
  • 2011 Berg Schlossberg Rüdesheim Riesling: Ein fantastischer Wein! Bereits jetzt gut trinkbar, dennoch viel Potential. Schönes Spiel von Süße und Bitterkeit, dezente Karamell-Note. Einer der besten verkosteten Weine

Weingut G.H. von Mumm

  • 2011 Berg Rottland Rüdesheim Riesling und
  • 2011 Hölle Johannisberg Riesling: Nette Trinkweine, zumindest derzeit recht eindimensional.

Weinbaudomäne Schloss Johannisberg

  • 2011 Schloss Johannisberg Silberlack Riesling: Verspricht vom Geruch mehr, als er derzeit hält, aber merklich größer als die Mumm-Weine und angenehme Mineralik. Viel Potential.
  • 2006 Schloss Johannisberg Silberlack Riesling: Wow – ein großartiger Wein! Bereits die Farbe ein sattes Gold; kräftig und eine satte Süße in schönem Spiel.

Weingut Schloss Reinhartshausen

  • 2011 Schlossberg Erbach Riesling: Recht trocken und durchaus Potential.
  • 2011 Siegelsberg Erbach Riesling: Ein toller, sehr markanter, Wein! Lässt sich nicht vergleichen mit irgendeinem anderen der Präsentation. Eine sehr florale Note, Rosenblätter, fast parfümiert wirkend (im positiven Sinne).
  • 2010 Marcobrunnen Erbach Riesling: Ein schöner Trinkwein, sehr harmonische Säure.

Domänenweingut Schloss Schönborn

  • 2011 Domdechaney Hochheim Riesling: Noch zu jung, aber bereits sehr fruchtig und mineralisch. Vielversprechend!;
  • 2011 Berg Schlossberg Rüdenheim Riesling: Dezent bitter und frisch;
  • 2011 Pfaffenberg Hattenheim Riesling: Kräftig mineralische Süße, aber zu jung;
  • 2011 Marcobrunn Erbrach Riesling: Ein spannender Wein, nicht zu Süß, eher ausgeglichen bitter. Bereits jetzt trinkbar.

Weingut Robert Weil, Kiedrich

  • 2011 Gräfenberg Riesling: Ein beeindruckender Wein, angenehme Frische/Säure befinden sich ausgeglichen im Spiel mit dezenter Süße. Wird über die Jahre weiter gewinnen.

Domdechant Werner’sches Weingut, Hochheim: Bei diesem Weingut hat man den Eindruck, die Zeit sei stehengeblieben – und das ist auch gut so! Die Weine sind beste alte Schule, die Winzer ausgesprochen nett.

  • 2011 Kirchenstück Riesling: Noch zu jung, bislang zu eindimensional-süß;
  • 2011 Domdechaney Riesling: Finde ich deutlich interessanter als das Kirchenstück, deutlich kräftiger;
  • 2009 Domdechaney Riesling: Ein toller, Rheingau-typischer, Wein! Zu Beginn sehr süß, im Abgang dann deutlich trocken, also ein schönes Spiel.
  • 2010 Domdechaney Riesling: M.E. der beste/interessanteste des Weingutes. Noch zu jung, aber mit viel Potential.
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Wagner – Götterdämmerung: Wiederaufnahme in Stuttgart am 20.1.2013

Nach einigen Jahren Pause wurde am 20.1.2013 die Inszenierung der „Götterdämmerung“ von Peter Konwitschny (Dramaturgie: Peter Hintze) in Stuttgart wieder aufgenommen. Der Stuttgarter Ring ist bekannt für seine vier Regisseure der vier Teile, wodurch man in der Götterdämmerung nicht unbedingt die drei vorangegangenen Teile gesehen haben muss, um die Inszenierung genießen zu können.

Änderungen im Orchester dürfte es nur wenige gegeben haben, die Rollen der Darsteller sind jedoch komplett neu besetzt, auch der Dirigent neu in der Produktion. Es bestand also durchaus die Gefahr, dass von der alten Qualität nichts mehr übrig geblieben wäre. Dem ist aber nicht so! Die Aufführung ist rundherum gelungen, sehr sauber einstudiert und hervorragend besetzt.

Zum Musikalischen fasse ich mich kurz, hier können die meisten Leser sich am 3.2.2013 einen Eindruck bilden, wenn wir uns zu der Reise aufmachen. Das Dirigat ist sehr melodisch und packend, abwechslungsreich und spannend. Das Orchester spielt ausgesprochen klangschön und weich. Die Sänger sind durchgehend gut, wobei die Qualität durchaus sich merklich unterscheidet. Sehr gut harmonierten sowohl die mitreißenden Rheintöchter als auch die Nornen (die auch in der Inszenierung verknüpft sind). Stimmlich etwas blass blieben die Waltraute von Marina Prudenskaja und Gutrune (Simone Schneider).

Eine Überraschung war für mich Irmgard Vilsmeier, die ich bislang nur in kleineren Rollen gehört hatte. Auch wenn ihre Stimme nicht die Schönste ist, hat sie doch Dramatik, Volumen und Ausdruckskraft, um rollendeckend zu singen. Besonders hervorzuheben ist ihre beeindruckende Textverständlichkeit – eine für eine Brünnhilde wahrlich seltene Tugend. Überzeugen konnten auch Attila Jun als Hagen, der die nötige Boshaftigkeit und Kraft für die Rolle mühelos stemmte und Michael Ebbecke als Alberich, den man angesichts seiner mitreißenden Gestaltung gerne länger gehört hätte. Besonders begeistern konnte Shigeo Ishino als Gunther, der die Partie ausgesprochen klangschön, und harmonisch gestaltete. Ein Sänger, von dem wir sicherlich noch einiges hören werden. Über Stefan Vinke muss wohl kein Wort verloren werden: Weiterhin gehört er ohne Frage zu den besten Sängern dieser Partie, die derzeit auf der Bühne stehen. Er bringt alle Kraft, Gestaltungsfähigkeit und Freude am Spiel, die diese Rolle nötig machen, locker mit sich. Hoihe!

Besonders spannend war für mich die Wiederbegegnung mit der Inszenierung Peter Konwitschnys, die ich vor knapp 10 Jahren nicht so gelungen fand. Wie habe ich mich getäuscht! Es ist nicht weniger als eine der besten Wagner-Inszenierungen, die zumindest in den letzten 10 Jahren auf einer Opernbühne gespielt wurden (wahrscheinlich aller Zeiten). Die detailreiche, psychologische Ausleuchtung der Rollen und Interpretation des Stücks suchen ihresgleichen. Die Ernsthaftigkeit, mit der das Handeln der Personen dargestellt wird, das Mitleiden mit ihrem Denken und Handeln sind atemberaubend. Dabei kommen sogar diejenigen auf ihre Kosten, die Indianerfelle und Stierhörner sehen möchten – dies folgt logisch aus der Darstellung, wie Siegfried aus seiner Kinderwelt in die politische und korrupte Welt der Menschen gestoßen wird und unfähig ist, den dortigen Intrigen zu begegnen.

So war die Waltauten-Szene für mich die szenisch mit großem Abstand spannendste, die ich je gesehen habe. Brünnhilde ist vorbereitet auf Siegfrieds Rückkehr, indem sie den Tisch schön gedeckt und das Essen vorbereitet hat. Waltraute ist nicht willkommen, Brünnhilde hat mit Wotans Sippe gebrochen, also bleibt sie versteinert und hört nur mit einem Ohr zu – natürlich bekommt Waltraute nichts zu essen angeboten. Die Gleichgültigkeit ändert sich erst, als Brünnhilde schockiert erfahren muss, dass Wotan im Moment größter Trauer ihr gedachte – eine berührende Szene. Vor allem da Brünnhilde dieselbe Gleichgültigkeit erleiden muss, wenn sie Siegfried wiedertrifft.

Essen spielt auch im zweiten Aufzug eine wichtige Rolle – in Form eines Gugelhupfes. Die Meisterschaft Konwitschnys zeigt sich hieran allzu eindrucksvoll. Er kehrt wieder in den verschiedensten Momenten in der verschiedensten Form, mit der verschiedensten Verwendung. Hausfrau Gutrune backt ihn nicht nur für Siegfried, sondern bietet der erschütterten Brünnhilde zum Schluss auch ein Stück zur Aufheiterung an – schätzen kann Brünnhilde  dies natürlich nicht. Welche Schmerzen ihr zugefügt wurden durch den ignoranten Siegfried, musste auch der Zuschauer all zu deutlich ertragen.

Im dritten Aufzug gibt es fast eine Erholung – der Bär als Motiv für Siegfrieds Erwachsenwerden kehrt zurück, die Rheintöchter erhalten den Ring nicht zurück und Hagen versucht, seine ihm zugewiesen Lebensaufgabe zu vollenden. Er scheitert bekanntlich, zurück bleibt vorerst Brünnhilde, dann nur die Menschen, während die Dämmerung der Götter in allen von Wagner geschriebenen Nuancen zu sehen ist. Wir werden ratlos zurückgelassen.

Anmerkung: Die Kritik wurde geschrieben für den Newsletter des Richard-Wagner-Verbandes Ulm/Neu-Ulm.

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